Justin Winkler
Nachtung

Die Träumereien des schwachen Lichts führen uns in die innersten Verschläge des Vertrauten zurück. Es scheint, dass es in uns dunkle Winkel gibt, die nur gerade ein flackerndes Licht ertragen. [...] Ein Träumer der Lampe weiß instinktiv, dass die Bilder des schwachen Lichtes Nachtlichter sind. Ihr Schein wird unsichtbar, wenn das Denken an der Arbeit und das Bewusstsein ganz hell sind. Aber sobald das Denken sich ausruht, wachen die Bilder.“

Gaston Bachelard1

Nachthelle

 Die Emblematik der Nacht ist Dunkel und Stille, zugleich Ruhe und Grauen, Frieden und Tod: Schulen und Einkaufsstätten sind geschlossen, das heißt abgedunkelt, die Gaststätten agieren unter der Drohung, Nachtruhestörer zu versammeln. Wie können wir über die Nacht als Wahrnehmungstatbestand, als zugleich natürlichen und gesellschaftlichen Rhythmus schreiben, wo wir sie doch verschlafen? Während der zwei „tiefsten“ Nachtstunden schlafen 95 Prozent aller Amerikaner, wird uns gesagt.[ii] Müssten wir nicht zu empirischen Nachtschwärmern werden? Woher kommen dann unser „Wissen“ und der sprachliche Ausdruck über die Nacht?

Ich habe das www konsultiert, um feststellen, mit welchen qualifizierenden Vokabeln das Wort „Nacht“ quantitativ korreliert. Das Ergebnis scheint mir interessant, weil es die Nacht als Kontrasterlebnis von Dunkel und Hell, nicht aber die Nacht als das besonders Dunkle oder Stille herausstellt. Der Vergleich erfolgte mit Hilfe dreier indogermanischer und einer uralischen Sprache.[iii] „Nacht & Licht“ weisen mit Abstand vor „Nacht & warm“ den größten Anteil auf. Es folgen die Prädikate „hell“, „heiß“ und schließlich „dunkel“ und „kalt“. Weil es nicht möglich ist, die mehreren Millionen Funde semantisch zu ordnen, sind diese Bezüge wohlverstanden nur statistische „Hüllkurven“. Worauf beispielsweise die „heiße Nacht“ lebensweltlich hinausläuft, ist der Klärung durch unsere Imagination und Empirie überlassen. Das Finnische reißt aus, indem es „Nacht & kalt“ am stärksten korreliert und die Reihenfolge der Prädikate der Helle und des Dunkels anders mischt.

 

Es überrascht nicht, dass der französische Schriftsteller Jean Giono in seiner expressionistischen Schaffenszeit das nächtliche Pflügen eines seiner Protagonisten in Begriffen des Lichts beschreibt. Dieser Text könnte mir die Inspiration für die Suchmaschinen-Arbeit gegeben haben. Wer das tiefe Dunkel der Plateaus der Provence kennt, malt sich die von ihm beschriebene Nachthelle leicht aus:

 

„Erst gab es Wind, der sich dann gelegt hat. Die Sterne waren aufgesprungen wie Gras. [...] Kein Mond, oh! kein Mond. Und doch war man wie unter einer Glut trotz des Winteranfangs und der Kälte. Der Himmel roch nach Asche. [...] Es war so hell, dass man die Welt in ihrer wirklichen Gestalt sehen konnte, nicht wie vom Fleisch entblößt wie bei Tag, sondern wohlgerundet von den Schatten und mit besonders zarten Farben. Das Auge labte sich daran. Die Erscheinung der Dinge hatte keine schneidende Deutlichkeit mehr, sondern alles erzählte eine Geschichte, alles sprach leise zu den Sinnen.“[iv]

 

Die Nacht erscheint hier nicht als die Zeit der Abwesenheit aller Sinnesarbeit, sondern, im Gegenteil, geradezu als ihre hohe Zeit: Alles spricht, Riechen, Sichbewegen, Farbensehen, Gewahrwerden von Volumina. Der Mensch hat noch im Nachtdunkel seinen Schatten.

 

 

 

Nachthabitat

 

 

 

„Nächtlich wohnet der Mensch“ schreibt der kanadische Kulturgeograf Luc Bureau in bewusster Anspielung auf das hölderlinsche Diktum. [v] „Denn durch das Dunkel der Nacht“, schreibt Bureau, „lässt sich die Behausung des Menschen am besten sehen und fühlen“.

 

Die Entdeckung der Nacht als Habitat ist in der westlichen Stadt das Privileg weniger Ästheten. In einem Absatz in Luigi Russolos Futuristischem Manifest von 1911 über die Geräuschkunst Umweltklänge zeichnet er eine allmähliche Annäherung von Klängen der Natur – Donner, Wind, Wasserfall, Bachlauf, Pferdetrab, Karren – an die Klänge der Stadt vor, um mit der städtischen Nacht zu enden, „dem weiten, feierlichen und weissen Atem einer nächtlichen Stadt[vi]. In dieser ganzen Beschreibung der klanglichen Welt, ebenso wie in jener von August Endells „Schönheit der grossen Stadt[vii] herrscht ein gewisses expressionistisches Dunkel[viii], das dem fehlenden Lichtbedarf des Hörens entspricht. Rilke, ein aufmerksamer Beobachter von Zwischenwelten, gibt uns einen Hinweis auf den Rand der sichtbaren Welt: Er beschreibt den Vorgang des Eindunkelns als Übergang zur Hörwelt:

 

„ [...] dunkel, auf langen Wegen, gehen die Leute, / und seltsam weit, als ob es mehr bedeute, / hört man das Wenige, / das noch geschieht.“[ix]

 

Wir bemerken, dass es hier nicht nur um den Wechsel vom Sehen zum Hören als dominierendem Sinn geht, sondern um ein grundsätzlich verändertes Raumerleben: „Seltsam weit“ wirkt der Raum der Stimmen in der Dämmerung, aber „als ob es mehr bedeute“ betont sich in ihm unter dem Eindruck des Einnachtens statt der Unbestimmtheit die Nähe.[x] Das ist ein Vorgang, der dem Modus des Hörens entspricht, der beim Wegfall des Sehens das Nahe privilegiert und die sinnliche Wahrnehmung in das Futteral des Leibes zurückholt.

 

 

 

Doppelwelt

 

 

 

Die Stadtbeleuchtung verhindert, dass Stadtdunkel die „Näherung“ der Dinge geschehen lässt, die den öffentlichen Raum vom kontrollierenden Seh- zum involvierenden Tastsinn verschöbe. Aber ob in der Stadt Tag ist oder Nacht, hat sie dauernd eine dunkle Seite. Wo diese nicht Teil der Lebenswelt ist, wird sie imaginiert. Ein Gang durch die Kloakentunnel zeigt, wie das geht: Die „untere“ Stadt ist bevölkert von einer Gegenwelt, als deren Repräsentanten die Ratten gelten. Die Ratte ist als Kulturfolgerin dem Menschen bezüglich ihres Sozialverhaltens beängstigend ähnlich und zieht daher unsere Projektionen der Intelligenz, wenn nicht der Verschlagenheit auf sich. Sie ist zum einen das Kind, das wir mit „süße Ratte“ liebkosen. Zum andern aber ist sie anonym, eine dunkle Masse, ein unterirdisches Heer in der Überzahl, das an unserem Überfluss wächst, unrein als Zwischenwirt des Pesterregers und Bewohnerin der menschlichen Fäkalien, villain der Stadtlegenden. Und schon ist die Vorstellung da von einer auch tagsüber nächtlichen Stadt unten: „Der Mensch, tatsächlich, ist nicht mehr der tugendhafte, abstrakte und glatte Bürger, von dem der Aufklärer[xi] spricht; er ist herb, ausgelaugt, unruhig und gefährlich“ [xii], wie die Philosophin Anne Cauquelin anmerkt, und ergänzt: „Am Tag [...] verlangt man ganze Menschen. Aber nachts ist der vollständige Mensch gefährlich: sich selber überlassen in der Muße, wozu könnte er da imstande sein? [...] Ein nächtlicher Körper geht herum, ist da, wo er nicht sein sollte, ist im Weg. Er lärmt, ist unsauber, treibt sich herum. [...] Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme sind die Seelen nicht sehr gefährlich und die Trennung der Seelen vom Körper [...] hat noch nie jemandem Ärger verursacht.“[xiii]

 

Sie weist in ihren Ausführungen über die Politik der Nacht auf Verdoppelungen in der nächtlichen Stadt hin: „In der Nacht verdoppeln die Kavernen ihre Höhlungen. ... Doppelt unterirdisch sind die Keller. Zwei Mal gefährlicher, somit zwei Mal zu überwachen.“[xiv] In Graz wechseln die Straßenbahnen abends ihre Nummern und werden diese zweistellig, ab ein Uhr früh ersetzen im Kanton Zürich oder in Berlin an Wochenenden Nachtnetze die Tagesnetze des öffentlichen Verkehrs. Sie sind Verkehrsräume, die mit der Tageslogik faktisch oder symbolisch brechen. „Nachttaxi“ ist ein literarischer und cineastischer Topos; das Tagtaxi gewissermaßen nur sein Schatten.[xv]

 

Die Polizei schaut und will gesehen werden, stellt Kontrolle dar und Abschreckung, und weil Sehen Licht braucht, wirft sie dieses auch: Mit blenden Lichtkegeln und Glanzlichtern ist sie präsent. Wirklich sicher ist aber erst die rund um die Uhr schattenlos ausgeleuchtete, termitenstockähnlich totalitäre[xvi]. Stadt

 

Die nächtliche Stadt ist, wie die Stadt überhaupt, über das Genus der Vokabel Stadt in vielen Sprachen hinaus, diskursiv weiblich. Sie ist das jedenfalls im Bericht eines Johann Ude in der Zeit des Ersten Weltkriegs[xvii], wo sie zur paradigmatischen gefährlichen Verführerin wird. Bleiben die Ratten gewissermaßen noch unter sich, ist der imaginäre Souterrain der Stadt, den Literatur und Kino zeichnen, ein Bild für gesellschaftliche Klassen, die an der Oberfläche am falschen Platz sind und gefährlich werden können.[xviii] Aber ihr Abtauchen signalisiert etwas Allgemeineres: mit ihnen sind, in den Worten von Raymond Williams, „die Antriebskräfte auf eine Weise verinnerlicht, auf eine Weise, dass da nicht länger eine Stadt ist, sondern nur noch ein Menschen, der sie durchwandert“[xix]. Wenn wir von dieser Unterwelt, von dem tageszeitlichen Dunkel der Stadt Kenntnis haben, dann dank dem Licht, das für uns hineingeworfen wurde, ganz buchstäblich mit den Lichtbildern eines Jacob Riis, stellvertretend für viele andere. Dieses Licht, ein Blitz, ist so gewalttätig, dass die Bilder die Menschen „des Dunkels“ aufgeschreckt und verängstigst zeigen.[xx] Auch Michael Zinganels wunderbares Buch über das Verbrechen als Produktivkraft der Stadt zeigt dieses in nahe liegender Weise im hellen Licht, zumindest nicht in einer ideologisierenden Ästhetik der Düsternis von unbeleuchteten Seitenstrassen.

 

 

 

Chiaroscuro

 

 

 

Wenn Dunkelheit aufgeladen ist von Träumereien und Bewertungen, dann ist auch das Licht der nächtlichen Stadt ein Ausdruck: Ausdruck nicht einfach von infrastrukturell erschlossenem Raum, sondern mit der Absicht, den Stadtraum zu zeigen oder aber aufzugeben. „Ich habe das Alphabet gelernt“, schreibt Anne Cauquelin, „rot – halt; grün – gehen; [...] Reihe von Straßenleuchten – Straße; völliges Dunkel – halt, verboten oder auf eigene Gefahr; Halbdunkel – Vorsicht [...]. Das Alphabet ist gesetzt. „[xxi]

 

Schwärze ist ästhetisches Vakuum und zugleich Zeichen der Verletzlichkeit. Licht bedeutet Aufschwung, Beleuchtetwerden ist Fortschritt. Eine wohl nicht unabsichtlich zynische Parallelisierung von dunkler Stadt und schwarzer Bevölkerung findet sich in Mike Davis’ kritischem Bericht über New Orleans ein halbes Jahr nach den Zerstörungen durch den Hurrikan Katrina vom August 2005:

 

„Wenige Häuserblocks vom überfluteten und noch immer geschlossenen Campus der Dillard University weg zeigt eine vom Wind geknickte Tafel die Kreuzung von Humanity und New Orleans an. In der nächtlichen Entfernung strahlen die Wolkenkrater des Zentrums an Poydras and Canal Street hell, aber weite Striche der nördlichen und östlichen Stadt einschließlich der Nachbarschaft Gentilly um Dillard bleibt im Finstern. Die Lichter sind jetzt schon sechs Monate lang aus, und niemand scheint zu wissen, wann – wenn überhaupt je – sie wieder angedreht werden. [...] Ein so großer Teil der schwarzen Bevölkerung ist weg, dass einige Radiostationen jetzt ihre Programme von Funk und Rap zu Soft Rock wechseln“[xxii]

 

 

 

Lichtes Denken auf dunklem Grund

 

 

 

Sagt nicht Bureau, die Nacht lasse die Behausung des Menschen besser sehen? Er hat sich nicht verschrieben, denn er warnt am gleichen Ort, dass „die tiefe Bedeutung der Behausung dauerhaft den Versuchen widersteht, sie mit in klare Beweise verliebten Geographien zu fassen. Denn eher als ein Gegenstand der Analyse ist sie, ganz wie die Nacht selbst, der ‚Ort der Enthüllungen’ (Novalis)“.[xxiii] Wir stehen mit ihm vor dem Umschlagen der als sich als Licht verstehenden Vernunft in ihr Gegenstück, die Domäne der Imaginationen oder, wie Bachelard sie nennt, Träumereien. Das Chiasma[xxiv], der Kontakt zweier Welten des Erfahrens beziehungsweise der Erfahrung des Ineinanderfallens von Berühren und Berührtwerden, ereignet sich hier zwischen dem Tagleben und dem Nachtleben mit ihren jeweiligen „Logiken“. Und die Beschäftigung mit der Nachtseite von Vernunft und Kultur gebiert, wenn wir Goya[xxv] weiterdenken, Monstren der eigenen Art.

 

Die klassische Warnung an die psychologischen oder empirischen Kulturanalytiker vor dem „going black under the skin“ gilt somit für alles, was die Nachtwelt betrifft und nicht von den Regeln der Astronomie in einen gesetzmäßig bruchlosen Zusammenhang mit der Tagwelt gesetzt werden kann. Die Nachtseite des Globus liegt da wenig erstaunliche nicht sonnenabgewandt, sondern im Süden: Die kolonialzeitliche Blendung durch die weißen Flecken auf der Karte des schwarzen Kontinents führt offenbar zu einer besonderen kulturellen Kontrasterfahrung von Dunkel. Wie weit diesbezüglich die kulturellen Halluzinationen gehen können, zeigt Joseph Conrads Afrikaroman „Im Herzen der Finsternis“ von 1899.[xxvi] Wie wir zuweilen das „finstere“ Mittelalter in ein Untergeschoss der Geschichte verschieben, tut Conrad das mit der Rede vom „dunklen“ Kontinent und seinen Bewohnern, die drohen, den Europäer nicht mehr loszulassen.

 

Während wir die geographischen Imaginationen von „dunklen“ Landstrichen notfalls als epochentypisch apostrophieren können, sind wir selber allabendlich dem Dunkel ausgesetzt. Wir können sie trotz aller Beleuchtungstechnologie nicht als etwas Äußerliches abstreifen, es gibt keine Regel der Enthaltsamkeit, die nicht drohte, alle Lebenszusammenhänge zerschlagen würde. Wir müssen mit unserer Nacht umgehen. Gaston Bachelard schreibt in „Die Flamme einer Kerze“, dass „der Docht des Abends nicht ganz der Docht von gestern“ ist. Werde er nicht gepflegt, so kohle er an und die Lampe verruße. „Man kann nur gewinnen, wenn man den vertrauten Gegenständen die aufmerksame Freundschaft angedeihen lässt, die sie verdienen“. Die Flamme aber, um die es geht, ist das schwache Licht, das ebenso zur Nacht wie zum Wachen gehört und in Rhythmen lebt, die den modernen Lichtern abhanden gekommen sind. Man könne wohl von einer Kerze oder Lampe sagen, so Bachelard, sie sei „meine“, nicht aber von der Glühbirne, der keine vergleichbare Pflege zuteil wird und die keinen Blick hat wie die Kerzenflamme. „Ein Finger auf den Schalter reicht, um auf den schwarzen Raum unmittelbar einen hellen Raum folgen zu lassen. Und die gleiche mechanische Geste erzeugt das Umgekehrte.“[xxvii] Da ist weniger Mühe, weniger Gefahr wie beim Anzünden und Löschen, aber auch weniger gestaltbarer Übergang und damit, so möchte Bachelard zeigen, weniger Imagination für den träumenden Denker beziehungsweise denkenden Träumer.

 

 

 

Zurück zum Anfang: Wie anders können wir Nichtschlaflosen über Nacht sprechen und schreiben, wenn nicht mit einem Anflug von Träumerei? Wie viele Nächte wachen wir so, dass wir etwas von dem Leben der Nacht wahrnehmen? Auch diese Zeilen sind nicht frei vom Generalverdacht, lediglich imaginäre Nächte beschrieben zu haben. Lösen wir experimentell das Um- vom negativ besetzten Wort Umnachtung, so erhalten wir „Nachtung“.[xxviii] Vielleicht ist dieses erklärungsbedürftige Wort ein Weg zu gesellschaftlichen und kulturellen Begriffen von Nacht; ein behutsamer Weg ohne zu viel Licht, das nur schmerzen würde.[xxix]

 

 

 

Quellen

 

 

 

Bachelard Gaston 1961. La flamme d’une chandelle. Quadrige, PUF, Paris.

 

 

 

Bureau Luc 1997. Géographie de la nuit. Hexagone, Montréal.

 

 

 

Cauquelin Anne 1977. La ville la nuit. Presses Universitaires de France, Paris.

 

 

 

Conrad Joseph (Józef Teodor Konrad Korzeniowski) 1990 (1899 ). Heart of Darkness. Dover, New York.

 

 

 

Cox Amanda, Cater Shan, Quealy Kevin, Schoenfeld Amy 2009. For the unemployed, the day stacks up differently. Ney York Times (NY edition), August 2, 2009, BU5. http://www.nytimes.com/interactive/2009/07/31/business/20080801-metrics-graphic.html (cst 09-08-01)

 

 

 

Czechowski Nicole 1991. Lumière – depuis la nuit des temps. Autrement 125.

 

 

 

Davis Mike 2006. Who is killing New Orleans? In: The Nation, April 10, 2006. http://www.thenation.com/doc/20060410/davis

 

 

 

Endell August 1908: Die Schönheit der großen Stadt. Strecker & Schröder, Stuttgart.

 

 

 

Giono Jean 1935. Que ma joie demeure. Grasset, Paris. (Deutsch Bleibe, meine Freude. Aus dem Französischen von Ruth und Walter Gerull-Kardas. Matthes & Seitz, München 1994)

 

 

 

Jakle John A. 2001. City lights. Illuminating the American night. John Hopkins University Press, Baltimore/London.

 

 

 

Merleau-Ponty Maurice 1964. Le Visible et L’invisible. Gallimard, Paris.

 

 

 

Rilke Rainer Maria 1902. Buch der Bilder. Gesamtausgabe I.1.

 

 

 

Steffen Katharina 1990. Übergangsrituale in einer auto-mobilen Gesellschaft. Eine kulturanthropologische Skizze. Suhrkamp, Frankfurt am Main.

 

 

 

Stumberger Rolf 2007. Klassen-Bilder. Sozialdokumentarische Fotografie 1900-1945. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz.

 

 

 

Winkler Justin 1995 (2006). Klanglandschaften. Untersuchungen zur Konstitution der klanglichen Umwelt in der Wahrnehmungskultur ländlicher Orte in der Schweiz. Akroama, Basel, nur online): http://www.humgeo.unibas.ch/homepages/anhaenge_hompages/winkler%20klanglandschaft%2006-02-05.pdf (cst 09-10-26)

 

 

 

Winkler Justin 1997. Lichtungen. Wegmarken zwischen dem Dunkel und der Helle. Evangelische Akademie Baden (ed), Geblendete Welt. Der Verlust der Dunkelheit in der High-Light-Gesellschaft, 96-105. Herrenalber Forum 18, Karlsruhe 1997.

 

 

 

Williams Raymond 1973. The country and the city. Oxford University Press, New York.

 

 

 

Zinganel Michael 2003. Real crime: Architektur, Stadt & Verbrechen. Zur Produktivkraft des Verbrechens für die Entwicklung von Sicherheitstechnik, Architektur und Stadtplanung. Edition Selene, Wien

 



Endnoten

 

[i].    Bachelard 1961, 6f. Übers. JW

[ii].    Cox et al. 2009. Diese Erfassung der circadianen sozialen Rhythmen der amerikanischen Bevölkerung ist durch eine sozioökonomische Zeitbudget-Analyse motiviert. Sie erweist aber, dass die Nachtstunden über Geschlecht und Altersgruppen hinweg im Vergleich zu den Tages-Besonderheiten äußerlich sehr geringe Variation aufweisen.

[iii].   Deutsch, Französisch, Englisch und Finnisch.

[iv].   Giono 1935, 7-9. Übers. J.W. unter Rückgriff auf Gerull-Kardas.

[v].    Bureau 1997, 101: „C'est nuitamment que l'homme habite“ lautet der Titel von Kapitel 4. Hölderlins spätes Gedicht ist von den Architekten durch ihre punktuelle und eklektische Heidegger- Rezeption („Bauen und Wohnen“ ) massenhaft verbreitet worden. Friedrich Hölderlin, Gedichte. In: Sämtliche Werke und Briefe, hrsg. von Jochen Schmidt. Band 3, Ausg. 3 1992, 479. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt/Main. zur Quellenkritik siehe Éva Kocziszky 1997. Mythenfiguren in Hölderlins Spätwerk, 52. Königshausen & Neumann, Würzburg.

[vi].   Publiziert 1916, 12. Übersetzung 1999

[vii].   Endell 1908. Russolo 1916, 35 verweist auch, ohne die Quelle zu nennen, auf Albert Heim (1874): „Es ist bekannt, dass viele Wasserfälle ein tiefes Geräusch erzeugen, in dem deutlich die Noten eines Dreiklangs hörbar sind. In einigen ist der Akkord f-c-e-g angetroffen worden.“ Dass er zu deutschsprachigen Quellen Zugang gehabt haben könnte, wird allerdings durch die Tatsache relativiert, dass Heims Fund eine Art kolportierten Allgemeinwissens gewesen sein muss. Siehe Winkler 1995.

[viii]. Jakle 2001 belehrt uns allerdings, dass zumindest die Nacht der amerikanischen Städte bis in die Jahre der stark zunehmenden Motorisierung „real“ von Dunkelheit bestimmt war, in der auch schwache Lichter einen bedeutenden Gestaltungsbeitrag leisteten.

[ix].   Rilke 1902: Sommernacht.

[x].    Ausführlicherer Kommentar dazu siehe Winkler 1995 (2006), 25f.

[xi].   Anmerkung des Übersetzers: éclaireur bedeutet Aufklärer, auch im Sinne von Pfadfinder, für den der Wortgebrauch im Französischen steht; clair bedeutet hell, licht, mit dem auch das Wort éclair, Blitz, verwandt ist. Die deutsche Bezeichnung der Epoche der „Aufklärung“ heisst im Französischen les Lumières, Lichter. Cauquelin verwendet das Wort éclaireur hier gezielt in diesem doppelten Sinne.

[xii].   Cauquelin 1977, 48. Übers. J.W.

[xiii].  Cauquelin 1977, 153. Übers. J.W.

[xiv].  Cauquelin 1977, 49. Übers. J.W.

[xv].   Bei Steffen 1990, die davon v.a. 177ff. sehr ausführlich handelt, geht es zudem um Nachttaxifahrerinnen:  Frauen, die in einem nonkonformistischen Männerberuf und statt tag- nachtaktiv sind, mithin gesellschaftlich als doppelt falsch „am Platz“ betrachtet werden.

[xvi].  Czechowski 1991.

[xvii].  Zinganel 2003, 53.

[xviii]. Zinganel 2003, 71. Jakle 2001, 6 reproduziert einen Holzschnitt von 1885 „The powers of evil are fleeing before the light of civilization“ aus der Electrical Review and Western Electrician 56, 1910. Darauf sind Polizisten zusehen, die wie Engelsfiguren auf den Kandelabern der neuen Straßenlaternen stehen und mit deren blendendem Licht den Teufel in Person und seine Dunkelmänner verscheuchen.

[xix]Williams 1973, 243: „The forces of the action have become internal, in a way there is no longer a city, there is only a man walking through it.“ Übers. J.W.

[xx].   Stumberger 2007, siehe v.a. Kapitel 2.1: Mit Schlagring und Blitzlicht. 41ff.

[xxi].  Cauquelin 1977, 34. Übers. J.W.

[xxii].  Davis 2006. Übers. JW

[xxiii]. Bureau 1997, 112. Übers. JW

[xxiv]. Merleau-Ponty's (1964) im Begriff des „chiasme“ mitgedachtes „l'entrelacs“ (Ineinander, Verflechtung) könnte die Stadtethnografie bezüglich der (tages-)zeitlich differenzierten Erscheinungsweise ihres Gegenstands theoretisch hochsensibel machen.

[xxv].  Goya, Francisco, El sueño de la razon produce monstruos, 1797-98. Radierung mit Aquatinta aus der Serie Los Caprichos 1799.

[xxvi].       Conrad 1990 (1899). Dazu kritisch: Pels Peter 2006 (2005). „Wo's keine zehn Gebote gibt“: Eine Revision des Verständnisses von Ethik anlässlich des Darkness-in-el-Dorado-Skandals. In: Hornbacher Annette (ed), Ethik, Ethos, Ethnos. Aspekte und Problem interkultureller Ethik, 37-74. transcript, Berlin. (Engl. in: Meskell Lynn, Pels Peter (eds), Embedding ethics. Sage, New York/London 2005.)

[xxvii]. Bachelard 1961, 90f. Übers. JW

[xxviii].      „Tagung“ ist uns so selbstverständlich, dass wir üblicherweise weder Wortgeschichte noch Begriffsassoziationen wahrnehmen. Nachtung hatte m.W. eine vergleichbare Bedeutung. Ich verdanke das Erlebnis einer beim Wort genommenen Nachtung (21h-05h) zum Thema Nachtarbeit der Zürcher Forschungs- und Beratungsgemeinschaft Gruppe Corso im Jahr 1995.

[xxix]. Zu den Qualitäten der Dämmerungsphasen siehe Winkler 1997, 97.