2/07 Unten oben? Editorial

„unten oben?“ - für dieses Thema haben wir uns aus zwei Gründen entschieden. Erstens war uns die dabei stets mitschwingende Assoziation einer vertikalen sozialen Stratifikation vor allem in ihrer spätmodernen ökonomischen Ausprägung durchaus willkommen. Allen Vermutungen zum Trotz, dies wäre alles längst erschöpfend erforscht und beschrieben, ergeben sich aus dieser Perspektive immer wieder vorzügliche Beiträge und Überlegungen, wie auch dieses Heft belegt. Zweitens hat unsere Erfahrung gezeigt, dass der Kuckuck Autorinnen und Autoren dazu anregt, nicht nur das Naheliegende zu bearbeiten, sondern unsere Themen in verschiedene Richtungen weiter zu denken. Dieser Tatsache verdanken wir vielseitige und anregende Hefte, was auch die vorliegende Ausgabe bestätigt, die bei den geneigten Leserinnen und Lesern hoffentlich auf dasselbe Interesse stoßen wie in unserer Redaktion.

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2/07 Unten oben? Inhaltsverzeichnis

Gutes Benehmen - oder: Der Teufel steckt im Detail.
Kulturanalytische Randnotizen zu einer Talksendung vor 25 Jahren
Jens Wietschorke

Ratlos auf der Wippe.
Gedanken zur Verwundbarkeit der Mittelklassen
Ulf Kadritzke

„Insofern empfinde ich mich viel italienischer...“
„Kultur“ als Distinktionsmittel im deutschen Ferienhaustourismus in Italien
Daniella Seidl

„Hotel Royal“ - Ferienquartier und Abschiebelager
Ramona Lenz

„Leuchttürme der Wissenschaft“:
Ein metaphorischer Vorgriff auf eine neuorientierte Wissenschaftspolitik
Eva Barlösius

Der Ort, an dem mein Kopf entschwand
Jutta Dornheim

Unten durch
Zur kulturellen Leistung der Unterführung
Margret Haider

Der Blick von unten
Zu den Perspektiven und ihrer kulturellen Bedeutung
in der Siegerfotografie um 1900
Christine Walther

Diffuse Gegensätze
Zu oben und unten bei Tupperware
Nikola Langreiter

2/07 Unten oben? Leseprobe

Jens Wietschorke
Gutes Benehmen - oder: Der Teufel steckt im Detail.
Kulturanalytische Randnotizen zu einer Talksendung vor 25 Jahren


„Menschen ins Studio holen, die verschiedener nicht sein können und einfach abwarten, was passiert.“1 So beschreibt die Homepage von Radio Bremen das Konzept der Talksendung „3 nach 9“, die seit November 1974 jeden Freitagabend zu sehen und damit die „dienstälteste“ Gesprächsrunde des deutschen Fernsehens ist. Am 19. Februar 1982 wurde dieses Konzept wieder einmal glänzend umgesetzt, als Bundesfinanzminister Hans Matthöfer und Ex-Kommunarde Fritz Teufel unter Leitung der Moderatoren Marianne Koch und Wolfgang Menge mit einer kleinen Runde aus Psychologen, Tanzlehrern und dem Schlagersänger Abi Ofarim zum Thema „Gutes Benehmen“ diskutierten.2 Im Verlauf dieses Gesprächs und in den Szenen, zu denen es damals kam, wurde ein interessantes Wechselspiel symbolischer Markierungen von „oben“ und „unten“ sichtbar; im Folgenden möchte ich diesem Wechselspiel ein wenig nachgehen und mich an einer kulturanalytischen Interpretation versuchen.

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