1/12 Schweigen - Inhaltsverzeichnis

Elisabeth Katschnig-Fasch (1947-2012)

„www.wir-sind-nicht-[st]umm.de“
Deutsche Gebärdensprache, Differenzmarkierungen und Zugehörigkeiten
Anja Kittlitz

Madonna im Heiligen Land
Die Lehren der Kabbalah zwischen Geheimnis und Popkultur
Jacques Picard

Volkskunde zwischen Wien und Norwegen
Lily Weiser-Aall (1898–1987)
Dunja Sporrer

Der Dermatologe in der U-Bahn
Über Schweigegebote
Daniel Habit

„Bitte erheben Sie sich zur Schweigeminute!“
Stille als auditiver Gegensatz zur Normalität des Lärms im Fußballstadion
Stefan Hebenstreit

„Das war kein Thema, wir hatten keins“
Familiäre Praktiken des Schweigens zu Geld
Gisela Unterweger

[…] man ist halt still gewesen
Vom Schweigen privater Beherbergerinnen
zur Vielstimmigkeit des Nicht-Diskursiven?
Martina Röthl

Vom unmöglichen Schweigen der Unterwasserwelten
Ein zwei- und dreidimensionaler Besuch im klingenden Sea Life Aquarium
Susanne Schmitt

1/12 Schweigen - Editorial

Über das Schweigen zu reden oder zu schreiben, erscheint auf den ersten Blick als Paradoxon, sind wir nicht gerade in der (Geistes-)Wissenschaft auf den Diskurs, auf Sprache als Ausdruck der Welt angewiesen. Macht oder einfach nur zwischenmenschliche Interaktionen scheinen häufig nur noch sprachlich vermittelt vorstellbar. Wenn das Thema Schweigen zum Forschungsgegenstand wird, dann bleibt Sprache zwar notwendigerweise Teil der Welt, sie wird aber relativiert und keinesfalls mehr als ihr übergeordnet gesehen; Körperlichkeit und Leiblichkeit als Aspekte der Intersubjektivität und des sozialen Handelns gewinnen an Bedeutung. Das Thema Schweigen geht körperlich nahe, es erinnert daran, dass wir selbst nicht nur denkend, sondern uns mit allen Sinnen in der Welt bewegen.An den Beginn dieser Ausgabe des Kuckucks wollen wir einige Gedanken stellen, die sich der Initiatorin und „intellektuellen Seele des Unternehmens Kuckuck“ Elisabeth Katschnig-Fasch, die am 4. Februar 2012 gestorben ist, widmen. Der entstandene „Nachruf“ ist mitunter der Versuch, das lähmende Schweigen als Reaktion auf die Unfassbarkeit des plötzlichen Todes zu durchbrechen und die Form des Schreibens als eine Art des Sich-Erinnerns an Elisabeth Katschnig-Fasch zu nutzen.

Im Folgenden dieser Ausgabe werden alltägliche Praktiken des Schweigens behandelt, die sich oft erst im strukturellen Verständnis seines Gegenparts, dem Sprechen, zu konstituieren beginnen.

Anja Kittlitz fragt in ihrem Beitrag danach, wie sich am Beispiel der Deutschen Gebärdensprache Konstruktionsprozesse des Anderen zeigen lassen. Sie beschreibt Distinktionen bzw. Zugehörigkeiten von Hörenden und Gehörlosen, wobei die Zuschreibungen Hörendsein, Schwerhörigsein und Gehörlossein als Ergebnisse medizinischer Diagnostik und damit als soziale Konstruktionen verstanden werden. Kittlitz zeigt einmal mehr, wie Sprache - oder Gebärdensprache - als zentrales Distinktions- und Identifikationsmittel eingesetzt werden kann.

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