1/06 Übersetzen Inhaltsverzeichnis

Ina-Maria Greverus
Übersetzen oder: wie lösen KulturanthropologInnen das Problem des Fährmanns?

Michaela Wolf
Übersetzung als "Brücke zwischen Kulturen"?
Ein Plädoyer für die Sicht von Übersetzung als Beitrag zur Konstruktion von Kulturen

Maria Nicolini
Übersetzen: Kuckuck sucht Nest
Notate zu den SpracheBemühungen im Forschungsprogramm
"ProVISION_Vorsorge für Natur und Gesellschaft"

Helge Gerndt
Karrikaturisten als Übersetzer?

Sebastian Keller
Vom Tankobon zum Taschenbuch
Metamorphosen des Manga im Westen

Lutz Hengst
Rolle rückwärts
Wie Retrotrends populärkulturelles Erbe in die Gegenwart übertragen helfen

Sarah Jurkiewicz
Professionelle Halfies
Al-Jazeera Korrespondenten in Europa

Ulrike Körbitz
"wenn Worte sich verdoppeln ..."
Übersetzungsprozesse im therapeutischen Raum mit Asylsuchenden

Angela Moré
Gefühlserbschaften
Die verborgene Sprache zwischen den Generationen

Judith Laister
Buchkuckuck:
Prinzip Lattenzaun
Perspektiven und Grenzen einer ästhetischen Anthropologie

1/06 Übersetzen Leseprobe

Michaela Wolf
Übersetzung als "Brücke zwischen den Kulturen"?
Ein Plädoyer für die Sicht von Übersetzung als Beitrag zur Konstruktion von Kulturen

 

Peter Weibel merkt in einem Interview der Standard-Beilage „Album“ im Rahmen der Diskussion um Originalität, Individualität und Plagiat auf den Begriff des (künstlerischen) Originals bezogen an, dass dieser nur „im Kontext des Eigentumsbegriffs des Bürgerlichen Gesetzbuches“ Sinn hat, also ein Kapitalbegriff sei. Und da – in der Kunst – Vorhandenes stets übernommen und fortgeführt würde, müssten Begriffe wie Kopie, Aneignung, Plagiat demokratischer gesehen werden: In der Kunst gebe es keine grandiose Originalität (Weibel 2006: A2).
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1/06 Übersetzen Editorial

Die frühen Kulturanthropologen haben die Problematik des Übersetzens vernachlässigt und den Zusammenhang von Sprache und Kultur lange Zeit wenig beachtet. Ein Paradigmenwechsel hat zur Beachtung der Frage nach der Übersetzbarkeit von Kultur geführt. Neue methodische Wege des Beschreibens, Verstehens und Analysierens haben einen sensibleren Zugang zum „Anderen“ eröffnet. Das „Andere“ ist auch das „Andere“ in der eigenen Kultur, das auch der Über-setzung in einen verständlichen Kontext bedarf.
 
Übersetzen zwischen den Kulturen ist auch in den Übersetzungswissenschaften zu einem wichtigen Thema geworden. Michaela Wolf gibt einen Überblick über momentane Strömungen und plädiert für ein weites Kultur- und auch Übersetzungskonzept, das den Blick auf polykulturelle Verknüpfungen und Fragmentierungen lenkt. Der Beitrag von Ina Maria Greverus lotet die Bedeutung von Übersetzung für unsere eigene Disziplin in all ihrer Tragweite aus. Sie nimmt das Bild des Fährmanns, des Über-setzers, um die Problematik des Übersetzens von Kultur auch vor ihrem ganz persönlichen biographischen Erfahrungshintergrund darzustellen. Sie postuliert Übersetzen als Prozess mit allen Sinnen.
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