1/08 Zeiträume - Raumzeiten Editorial

Mit diesem Heft spüren wir den innersten Kategorien kulturellen Daseins nach, den immer relativen, wandelbaren und subjektiven Vorstellungen und Konstruktionen von Zeit und Raum. Räume und Zeiten bedingen einander: Keine Bewegung ohne Raum und Zeit. In den unterschiedlichen Formen des Zusammenspiels verwirklicht sich kulturelles Leben, darin bringt sich die Beziehung der Menschen zu sich und zur Welt zum Ausdruck. In diesem Zusammenwirken entstehen Vergangenheit und Gegenwart, Öffentlichkeit, Privatheit, Gleichheit und Ungleichheit, Inklusion und Exklusion, Identitäten, Normalität, Transformationen, Hybridität, mit einem Wort: Wirklichkeit, deren Gefangene und Produzenten wir bleiben, auch wenn Raum und Zeit heute bereits entkoppelt scheinen.

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1/08 Zeiträume - Raumzeiten Inhaltsverzeichnis

ZeitRaumBilder und Realitätsverlust:
Anmerkungen zum „mobility turn“
Karlheinz Wöhler

Auf den Spuren der schönen Pendlerin
Johanna Rolshoven und Justin Winkler

Urbanität als Utopie.
Eine ethnografische Annäherung an die „Fluid City“
Anja Schwanhäußer

Ritualisierte Zeit-Räume und konstruierte Identitäten
Ethnographische Beispiele aus Westasien und der Mongolei
Gebhard Fartacek und Maria-Katharina Lang

Fest & Zeit
Helga Maria Wolf

Das Observatorium der Vergänglichkeit
Gedanken zu Dimensionen der Zeit im Museum
Eva Kreissl

Bewegungen im BOOKSCAPE.
Orte, Landschaft und geraubte Bücher.
Max Leimstättner

Erlebniszeit – Weltzeit – Zeit in der Literatur
Lutz Götze

Zu alt, um jung zu sein
Die Zeit der Wechseljahre
Meike Wolf

Schattenzeiten
oder: Lob der Pause
Gabu Heindl

1/08 Zeiträume - Raumzeiten Leseprobe

Karlheinz Wöhler
ZeitRaumBilder und Realitätsverlust:

Anmerkungen zum „mobility turn“


Dass wir uns nicht erst mit digitalen Bildern von den Realitäten entfernen, ist für viele so etwas wie ein Lehrsatz, der immer wieder dort endet, womit sich die Geistes- und Sozialwissenschaften letztlich befassen: Beim Individuum, das durch diese bildlich erzeugte „Realitätskrise“ in eine Identitätskrise gerate.1 Die Ableitung eines solchen Zusammenhanges scheint offenkundig zu sein – Raum und Zeit würden immer mehr relativiert, indem sie sich nach Bildern gestalteten; der daraus resultierende Realitätsverlust der Welt bringe einen Verlust an Sinn, Orientierung, personaler und sozialer Identifikation und Verantwortung und münde bisweilen gar in psychischen Erkrankungen.2 Wer so über die Welt denkt und sie mit diesen Sprachfiguren beschreibt und klassifiziert, der erzeugt selbst eine Realität und grenzt notabene andere Realitäten sowie anderes Denken aus.

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