01/09 Gerechtigkeit - Editorial

„Zuerst trachtet man nach Gerechtigkeit und zum Schluss organisiert man eine Polizei.“ Albert Camus

Wie viel Gerechtigkeit braucht die Gesellschaft? Wie gerecht ist das Recht? Aus welchen konsensuellen Grundprinzipien besteht Gerechtigkeit, wann und wo? Welche Formen von Ungleichheit und Gleichheit unter freien Menschen sind gerechtfertigt? Das sind nur einige Fragen, denen sich u. a. Philosophen, Kulturwissenschaftler, Soziologen, Mediziner, Theologen, Politik-, 
Rechtswissenschaftler und Künstler annehmen, wenn über Gerechtigkeit nachgedacht wird. Selbst Neurobiologen beschäftigen Nachweise eines social brain des Menschen – biologische Systeme sind darauf angewiesen, dass Menschen sozial gerecht interagieren und kooperieren, so eine jüngere Erkenntnis ganz entgegen der Darwinschen Evolutionstheorie. Das Thema Gerechtigkeit wirft unterschiedlichste Facetten und Fragen auf und wird aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.

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01/09 Gerechtigkeit - Inhaltsverzeichnis

Soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft: eine Illusion?
Holger Lengfeld

Logiken der Milieus – Logiken der Politik.
Schieflagen der sozialen und der politischen Macht
Michael Vester

„Just Ice?“ Globale (soziale) Gerechtigkeit als kontrafaktische Kategorie des politischen Handelns
Werner Zips

Die ungleiche Verteilung der Gesundheit in der Gesellschaft.
Individuelle Verantwortung oder gesellschaftliche Benachteiligung?
Willibald J. Stronegger

Gerechtigkeit und Gewalt bei Franz Kafka
Hans H. Hiebel

Die Begründung des Grundeinkommens aus der Kunst
Enno Schmidt

01/09 Gerechtigkeit - Leseprobe

Holger Lengfeld
Soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft: eine Illusion?

1. Der normative Zweig der Gerechtigkeitsforschung
Um herauszufinden, was unter dem schillernden Begriff der sozialen Gerechtigkeit verstanden werden kann, steht uns ein über zweitausend Jahre alter Lösungsweg zur Verfügung: die politische Philosophie. Zu ihren ureigensten Aufgaben gehört es, darüber nachzudenken, was wir aus moralischen Erwägungen heraus als sozial gerecht ansehen sollten, und wie die Struktur unseres Gemeinwesens aussehen müsste, damit die in ihr ablaufenden Verteilungsprozesse dem Gebot der Fairness entsprechen. Methodisch versucht dieser auch als „normative Gerechtigkeitstheorie“ bezeichnete Wissenschaftszweig, mit den Mitteln der rationalen Abwägung zwischen Argumenten möglichst stichhaltig anzuführen, warum gerade bestimmte Regeln und nicht andere Gerechtigkeit befördern sollen.

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