2/01 Arbeit Inhaltsverzeichnis

Hans Georg Zilian
Arbeitslosigkeit und die Totalisierung der Arbeitswelt

Gerlinde Malli
Für Frauen gegründet

Alexandra Hessler / Peter T. Lenhart
Sein und Zeit:
Die 60-Stunden Woche zwischen Statussymbol und Ausbeutungsdispositiv

Banu Karaca
KünstlerInnen in New York City:
Die neuen Dienstleister im arts capital of the world

Irene Dölling
Zur Situation von Frauen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt

Ute Mohrmann
FrauenArbeit in Eisenhüttenstadt

Sabine Hess
Von Rabenmüttern, Dienstmädchen und neuer Ökonomie
Migration und Umstrukturierungen der Arbeitswelt

Johannes Moser
Herr Rossi sucht sein Glück
Einige Überlegungen zur Beschäftigung in Dienstleistungsbranchen der urbanen Ökonomie

2/01 Arbeit Editorial

Die enormen kulturellen Veränderungen, denen die Menschen unserer ungeduldigen Gegenwart unterworfen sind, verdanken sich in erster Linie dem Bedeutungswandel der Arbeit und den veränderten Arbeitsstrukturen. Die moderne Ökonomie ist längst nicht mehr eine Frage technischer Daten und Dimensionen, sie bestimmt die Lebensweise aller, ob sie dem spätmodernen utilitaristischen Way of life anhängen oder darunter leiden, weil nunmehr verleugnet werden muss, was Lebenskunst einmal ausgemacht hat.

Kohärente Lebensverläufe, gerade Berufslaufbahnen und soziale Verpflichtungen von Institutionen haben ausgedient. Karriere, Flexibilität, Job, Mobilität, freies Unternehmertum, Freiheit, Selbstverantwortung, kurzfristige Arbeit, Anpassung - das sind entscheidende Zauberwörter, die den neuen Takt schlagen. Von den veränderten Arbeitsbedingungen und den neuen Arbeitsverhältnissen gehen zentrifugale Kräfte aus, traditionelle Loyalitäten und Solidaritäten zerbrechen und drohen uns in nicht einholbaren Anforderungen der neuen Wirtschaftsformen zurückzulassen. Niemand weiß, in welche Richtung es geht, welche Risiken lauern, wie mit dem Druck der Bemühungen, da noch mitzuhalten, umzugehen ist und wie wir mit den Konflikten und der Angst fertig werden sollen.

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2/01 Arbeit Leseprobe

Gerlinde Malli
Für Frauen gegründet

Das hochglanzpolierte Bild der erfolgreichen Frauen in der Geschäftswelt ist konstruiert und durch Economy-Propheten verstärkt. Man könnte fast meinen, das sei Realität. Es gibt sie. Kein Zweifel. Es gibt sie - allerdings als Ausnahmeerscheinungen, als "Randgestalten" in den oberen Etagen der Arbeitswelt, im wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Feld gleichermaßen. Die Bühne scheint freigegeben für "First Ladies" - sie erscheinen im Rampenlicht und nicht zuletzt im Namen einer Politik, die mehr als die verfängliche Gleichheit predigt, die exemplarisch veranschaulicht, dass es möglich ist, wenn man nur will. Damit ist auf der anderen Seite gleichzeitig unterstellt, dass berufliches "Scheitern" individuelles Versagen voraussetzt. Als lokal- oder nationalspezifische Besonderheit erscheint in diesem Zusammenhang ein Paradoxon an der Oberfläche: zwar scheint sich der amerikanische "Tellerwäscher zum Millionär Mythos" durchzusetzen, anders aber wird die damit verknüpfte Idee des "trial and error" bewertet - der Versuch des sozialen Aufstieges wird propagiert, ein Scheitern allerdings nicht nur individualisiert, sondern in solchem Maße gesellschaftlich verurteilend bewertet (sanktioniert), dass kaum noch Möglichkeiten geboten sind, ein zweites Mal zu starten. Scheitern bedeutet somit gleichzeitig sozialen Abstieg, wenn nicht soziale Ächtung. Kein Wunder also, dass jene Firma, die für Frauen, die gründen wollen, gegründet wurde, dem provinziellen Ort in ihrer Ausrichtung Rechnung trägt: Das feingeschliffene Bild der Karrierefrau muss aufrecht erhalten bleiben. Scheitern wird von vorne herein ausgeschlossen oder wie es die Managerin des Zentrums auszudrücken vermag: " Die Krankheiten wollen wir nicht, wir wollen keine krankenden Unternehmen im Haus."

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