1/14 Ordnung - Inhaltsverzeichnis

Dreaming of the Perfect Order
Orvar Löfgren


Urbane Ordnungen
Erfordernisse, Ambivalenzen und Fallstricke
Ingrid Breckner


Ordnungen des Selbsterhalts
Kenneth Anders


Vom einzig wahren Klugen?
Zur Domestizierung menschlicher Neugier durch das Instrument der Studienordnung
Benedikt Kroll

 
Umgang mit Bürger_innen
Zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Ordnung in einem Berliner Bürgeramt
Christian Blumhagen


Kälter als draußen
Eine fragmentarische Beschreibung von Nacht als ordnungsstiftende Erwartung
Michel Massmünster


Trautes Heim auf Zelluloid?
Heile Welt, familiale Sinnkonstitution und Macht in privaten Familienfilmen
Michael Geuenich, Marie Heidenreich


Alles in Ordnung mit dem Selbermacher-Selbst Formen und Funktionen des Biografisierens in der Handmade-Nischenökonomie
Nikola Langreiter


Begegnungen in Uniform
Die Grazer Ordnungswache als Wächter_in von sichtbaren und unsichtbaren Ordnungen
Elisabeth Luggauer

1/14 Ordnung - Editorial

Das Phänomen Ordnung weist kulturelle, symbolische, soziale, normative oder auch systematisch-analytische Aspekte auf, betrifft Öffentlichkeit und Privatheit zugleich sowie Spannungsverhältnisse zwischen Gesellschaft und Individuum, zwischen Struktur und Praxis. Die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche, sei es beispielsweise die Familie, die Wirtschaft, die Politik oder die Wissenschaft, sind von Ordnungsaspekten und -logiken durchzogen, oft knüpfen sich Wertvorstellungen und Ideologeme daran. Ordnung kann durch Verhaltensanweisungen eingefordert werden. Wo immer Ordnung in Kraft tritt, droht sie aber auch, sich in Unordnung aufzulösen.

Daher muss sie gesichert oder wiederhergestellt werden. Ordnung, so scheint es, braucht Kontrolle und verlangt nach Anleitung. Ordnung benötigt aber auch ihren Gegenpol, die Unordnung. So wird das Herstellen von Ordnung zur Methode, um Bilder von Unordnung festzuschreiben.Ordnung bietet einen Orientierungsrahmen durch Grenzziehungen. Die Irritation von Ordnung, beispielsweise durch widerständige Praktiken, steht so in direktem Zusammenhang mit ihrer Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung durch normative oder rechtliche Kräfte. Ordnung ist immer auch Ausdruck von Macht- und Autoritätsverhältnissen. So etwa ist das Verhältnis der Geschlechter in gesellschaftlichen Ordnungen verfestigt und mit Hierarchisierungen und Machtasymmetrien verbunden. Soziale Ordnung spiegelt sich in klassen-, geschlechts- und generationenspezifischen Selbstpräsentationen, Selbstbegrenzungen oder Selbstabwertungen wider und wird, wie Pierre Bourdieu und Studien in seinem Anschluss zeigen, durch Bildungsentscheidungen und Bildungsverläufe beständig reproduziert. Diese Reproduktionsmechanismen sichern die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung, die noch einmal durch Naturalisierungen verfestigt wird, da die Habitualisierung hinter Vorstellungen über die „Natürlichkeit der Verhältnisse“ die soziale Herstellung der Ordnung vergessen lässt.

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