02/09 Nacht - Leseprobe

Nachtung

Justin Winkler

 

 

 

Die Träumereien des schwachen Lichts führen uns in die innersten Verschläge des Vertrauten zurück. Es scheint, dass es in uns dunkle Winkel gibt, die nur gerade ein flackerndes Licht ertragen. [...] Ein Träumer der Lampe weiß instinktiv, dass die Bilder des schwachen Lichtes Nachtlichter sind. Ihr Schein wird unsichtbar, wenn das Denken an der Arbeit und das Bewusstsein ganz hell sind. Aber sobald das Denken sich ausruht, wachen die Bilder.“

 

Gaston Bachelard1

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02/09 Nacht - Editorial

Signum der Nacht ist ihre Zeitverlorenheit. Darauf gleich einmal hinzuweisen, soll unsere Entschuldigung für die Verspätung der Ausgabe zu „Nacht“ nicht ersetzen.
„Wie können wir über die Nacht als Wahrnehmungstatbestand, als zugleich natürlichen und gesellschaftlichen Rhythmus schreiben, wo wir sie doch verschlafen?“, fragt Justin Winkler zu Beginn. Mit seinen Gedanken zu Nachtung machen wir  uns auf den Weg zu gesellschaftlichen und kulturellen Räumen und Kräften der Nacht. Und in der Tat, erst in den beleuchteten Nächten konnten die Kulturwissenschaften die Besonderheit der nächtlichen Konturen der Ruhelosen, der Dinge und der Räume entdecken, ihre Geräusche und Gerüche, das Leben der Dunkelheit und seine kulturellen Kräfte ans Licht holen. Die beste Zeit, über das Besondere der Nacht, der Antipode des Tages, nachzudenken, so Bastian Bretterhauer in Wenn es dunkel wird, ist die Dämmerung, jene Stunde der Gleichzeitigkeit von Rationalität und Nüchternheit des Tages und der Imagination der „irrationalen“ Dunkelheit. Er folgt den Nachtschwärmern, den zeitgeistigen Innovativen der neuen Nacht, den kulturellen und sozialen Bewegungen des städtischen Nachtlebens, der kreativen Atmosphäre nächtlicher Milieus.

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02/09 Nacht - Inhaltsverzeichnis

Justin Winkler
Nachtung
 
Bastian Bretthauer
Wenn es dunkel wird

Michel Massmünster
„Do you wanna touch the night tonight?“
Erkundungen zum nächtlichen Vergnügen der Turbojugend Basel

Anja Schwanhäußer
Bourdieu bei Nacht – eine Skizze

Jens Wietschorke
„Wien leuchtet“. Urbane Lichtregie und die nächtliche Ordnung des
Raums

Gabriela Muri Koller
Auf der grünen Wiese der Nacht. Zur Planung und Praxis von Anstand und 
Unanständigkeit

Sibylle Künzler und Tobias Scheidegger
«...keine Nacht wie diese» Eine kleine Typologie von Bildern 
beleuchteter Nächte

Roswitha Jauk
Rezension zu: Kathrin Röggla: wir schlafen nicht

Hans-Werner Prahl
Nicht nur zum Schlafen...  Skizzen zur Nacht

Paula Helm
Städter im Zwielicht nächtlicher Straßen

Jutta Dornheim
Die Nacht, die Atmosphären, der Text.
Kulturpoetische Überlegungen zu einer Phänomenologie der Nacht